Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

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Jelusich, Mirko

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Alternate name
Voojmir
Geburtsort
Semil bei Podmoklitz in der Nähe von Prag
Geburtsdatum
1886-12-12
Sterbeort
Wien
Sterbedatum
1969-06-22
Bedeutung

Im Archiv des Yivo-Institute for Jewish Research, New York, befindet sich die Akte Jelusich-Hauptamt Wissenschaft (laut Wulf, S. 395)

Leben

Kam mit zwei Jahren nach Wien. Seine erste Publikation, das Gedicht "Sommerwind", erschien in der "Muskete", bei der er auch bald an den Redaktionssitzungen teilnahm. Er lernte dort unter anderem Anton Wildgans kennen und freundete sich mit Robert Hohlbaum an. Auch mit dem Antisemiten Arthur Trebisch schloss er Bekanntschaft, die ihn sein ganzes Leben prägen sollte. Bekannt war er auch mit Franz Karl Ginzkey. Jelusich wollte sich schon vor dem 1. Weltkrieg als Dichter dramatischer Werke etablieren, hatte jedoch keinen Erfolg, was er der "Überfremdung und Verjudung des deutschen Theaters" (zitiert nach Ziesel: Krieg und Dichtung, S. 218) zuschrieb. 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, war Artillerieoffizier, wurde verwundet und verbrachte die Zeit bis 1918 als Oberleutnant der Reserve in Wien. Er wurde zum Kriegsdichter, seine Arbeiten erschienen in der "Muskete". Durch die Inflation verlor er sein Vermögen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Filmdramaturg, Zeitungsredakteur, Theaterkritiker und Bankbeamter. Er war zunächst Chefredakteur der von der Industriellenvereinigung finanzierten satirischen Zeitschrift "Der Esel", arbeitete für den "völkisch eingestellten" "Wiener Mittag", als er sich mit dem Besitzer Franz Schalk zerstritt, arbeitete er in einer Bank, kündigte dort jedoch bald wieder, da er nebenbei kaum zur dichterischen Arbeit kam und kam schließlich per Zufall zum deutschnationalen Blatt "Deutsch-österreichische Tageszeitung" und leitete bald das Bühnenreferat und wurde erfolgreicher Theaterkritiker. Er gründete aus Antisemitismus den "Kampfbund für deutsche Kultur". 1917 erhielt er eine Konzession zum Betrieb des Verlagsbuchhandels in Wien 2, Volkertplatz 1/17. Er war Chefredakteurstellvertreter der Deutschösterreichischen Tageszeitung, also des Hauptblattes der NSDAP-Hitlerbewegung. 1923 heiratete er Maria Greil. Von 1923 bis 1933 hatte er die Schriftleitung. 1928 beendete er seinen "Caesar", fand jedoch vorerst keinen Verlag dafür. Als der Verlag Speidel das Buch herausgab, startete er eine Werbekampagne. Ida Maris Deschmann, eine Kollegin der "Deutsch-österreichischen Tageszeitung" nannte ihn einen "gottbegnadeten Dichter". Er übersandte auch Mussolini einen Band, der ihn daraufhin zu sich einlud. In seinen Gedichten sprach sich Jelusich schon früh für den Anschluss an Deutschland aus und verfasste antisemitische Beiträge. 1931 wurde er zum 2. Vorsitzenden und schließlich zum Leiter der Ortsgruppe Wien des "Kampfbundes für deutsche Kultur". Er setzte sich stark für den "Anschluss" ein. Ab 1933 lebte er als freier Schriftsteller und veröffentlichte "Cromwell", eine getarnte Hitler-Biografie, die ein Jahr später vom "Deutschen Bühnenvertrieb des Zentralverlages der NSDAP" die dramatisierte Fassung übernahm und an neun bedeutende Theater vermittelte. Ab 1935 gab er die monatlich erscheinende Zeitschrift "Das Werk. Zur Pflege des deutschen Schrifttums" heraus. Da er bereits als Nationalsozialist bekannt war, wurde die Genehmigung der Zeitschrift erst mal überprüft. Die Zeitschrift war betont neutral gehalten. Er begann im Oktober 1936 die Gründung des "Tieck-Verlages" vorzubereiten. Am Tag des Anschlusses wurde er Direktor des Wiener Burgtheaters. Am 1. Juli 1939 gründete Jelusich den "Wiener Dichterkreis", wo er unter anderem auch Bruno Brehm, Max Mell und Josef Weinheber einberuft. Der Dichterkreis gab die Zeitschrift "Der Augarten" heraus.1941erschien "Der Traum vom Reich",wo er einen Abschnitt aus dem Leben des Prinz Eugen, den Spanischen Erbfolgekriegs thematisiert. Jelusich war absoluter Spitzenverdiener, er kam auf das Sechsfache dessen, was Oberbefehlshaber des Heeres und Gauleiter bezogen, oder auf das Achtzigfache des Einkommens eines einfachen Arbeiters. (Siehe Hangler, S. 49) 1944 findet sich sein name auf der "Liste der von der Arbeitspflicht freizustellenden Autoren".Nach Ende des Krieges musste er Straßenarbeitsdienste leisten und wollte sich mit Schreiben an die Staatsregierung als unschuldig darstellen. Am 5. Juli wurde dem Referat III der Staatspolizei ein Bericht vorgelegt, wo darauf hingewiesen wird, dass der "berüchtigte Naziliterat" immer noch frei in Wien war. Am 16. August 1945 wurde er verhaftet und wurde in der Sowjetischen Kommandatur festgehalten, Ende Oktober 1945 wurde er der österreichischen Staatspolizei übergeben. Am 12. Dezember 1945 wurde er in die ordentliche Untersuchungshaft des Landesgerichts Wien überstellt. Die Untersuchungshaft dauerte elf Monate und endete in einer Anklage nach dem Verbotsgesetz wegen "Innehabung einer höheren Parteifunktion und vermutlicher Illegalität". 1946 stand er auf der Liste der gesperrten Autoren des Unterrichtsministeriums.Am 25. November 1946 wurde er frei gesprochen, Gräfin Charlotte Attems schilderte ihn als "Idealisten und als Träumer".Der Freispruch erregte großes Aufsehen. Neue Beweismaterialien tauchten auf und das Verfahren wurde wieder aufgenommen, am 20.12.1946 wurde er erneut verhaftet. In der neuerlichen Haft schrieb er an einem Tagebuch, das zeigt, dass er weiter an seinen Ideen hing. Nach der Haftentlassung lebte er in Wien, hielt Vorträge und schrieb vereinzelt für neonazistische Gruppierungen. Am 22. November 1957 hielt er eine Festrede auf dem Antrittskommers der freiheitlichen Korporation in Innsbruck. Er lebt sonst zurückgezogen, nimmt aber an den "Leopoldsberger Dichtertagen"teil, bei dem sich die "Ehemaligen" treffen, unter anderem Grimm, Kolbenheyer, Brehm. 1950 verließ er den Speidel-Verlag und ging zum rechtsgerichteten Salzburger Pilgram-Verlag. Bis zuletzt bleibt er seinen politischen Ansichten treu. 1946 wurde er inhaftiert, seine Werke blieben bis 1.9. 1946 für den Buchhandel und für Leihbüchereien gesperrt. Unter seinen nach dem Krieg wieder aufgelegten Büchern befindet sich auch seine Cromwell-Biografie, die als kaum getarnte Hitler-Biografie gilt. Obwohl sein Name auf der Liste der gesperrten Autoren steht, wird er im Verordnungsblatt der Schulbehörde für die Steiermark zur Jugendlektüre empfohlen Er hatte sich vor allem mit historischen Werken beschäftigt. Nach dem 2. WK hatte er mit seinem Schreiben kaum Erfolg. Sein stetes Motiv war gegen den "Schandfrieden von Versailles" zu kämpfen. Schon vor dem Anschluss war er höchstwahrscheinlich illegal tätig, so mietetet er zum Preis von einer Mark in Deutschland eine baufällige Mühle um dort gemeldet zu sein und gute Kontakte zu haben. (siehe Sachslehner, S. 50)

Familie

Wurde als Sohn von Anselm Jelusich, eines Kroaten und Bahnbeamten und von Friederike, geb. Strasser, einer Sudetendeutschen in Böhmen geboren. Er hatte eine sieben Jahre ältere Schwester Josefine und einen um vier Jahre älteren Bruder Anselm. Die Tatsache in Deutschböhmen geboren worden zu sein, empfand er stets als Benachteiligung. Er hätte eigentlich, weil die Mutter eine Wagner-Anhängerin war, Siegfried heißen sollte, der Pfarrer slawisierte jedoch eigenmächtig seinen Namen, was ihn ebenfalls belastete. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Wien.

Kennt
Brehm Bruno
Ginzkey, Franz Karl
Verbindung zu
Gesellschaft bildender Künstler
Quellen
Yivo-Institute for Jewish-Research
Amann 1988
Hangle/Hawle/Kilgus/Kriechbaum 1989
Hall 1985 II
Hangler 1989
Sammlung von Handschriften und alten Drucken der ÖNB