Wedding, Alex
- Alternativer Name
- eigtl. Weiskopf, Margarete (Grete)
- geb. Bernheim
- Beruf
- Schriftstellerin
- Geburtsort
- Salzburg
- Geburtsdatum
- 1905-11-10
- Sterbeort
- Saalfelden
- Sterbedatum
- 1966-10-15
Nach ihrem Tode gelangte der literarische Nachlass gemäß dem Vermächtnis an die Deutsche Akademie der Künste zu Berlin und wurde 1966 der Literaturarchive der DAK übergeben. Der schriftliche Niederschlag der literarischen Tätigkeit Alex Weddings aus der Zeit der Emigration und des diplomatischen Dienstes Franz Carl Weiskopfs weist, bedingt durch Ortswechsel zahlreiche Lücken auf. Zu ihren ersten Kinderbüchern sind zum Beispiel keine Manuskripte vorhanden. In der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Robert-Koch-Platz 10, 10115 Berlin-Mitte befinden sich Unterlagen aus dem Zeitraum nach 1945, autobiografische Aufzeichnungen, Korrespondenz mit Persönlichkeiten des literarischen, künstlerischen und politischen Bereichs, persönliche Unterlagen, Materialsammlungen, ...)
Ab 1925 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Ab 1928 Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Deutschlands, Mitglied des Bertolt Brecht-Clubs, Vorsitzende des Komitees für verfolgte westdeutsche Frauen und Mütter in der DDR. 1951 Erster Preis im Kinder- und Jugendliteraturpreisausschreiben des Ministeriums für Kultur, 1956 Goethe-Preis der Stadt Berlin, 1961 Arthur-Becker-Medaille in Gold, 1965 Vaterländischer Verdienstorden in Silber, 1965 Nationalpreis zweiter Klasse, 1965 Medaille der Pioniersorganisation Ernst Thälmann in Gold. Ab 1968 wird ihr zu Ehren ein Alex-Wedding-Preis durch die Dt. Akademie der Künste vergeben. 2007 wurde am Makartplatz 7 eine Gedenktafel enthüllt Über "Ede und Unku" meint Karrenbrock: "Wie Kästners 'Emil' führt 'Ede und Unku' Identitätsbildung durch Lernprozesse vor. Beide Kinderromane entwerfen Emanzipationsmöglichkeiten der Kinder von den Verhältnissen, in denen sie leben. Aber während Kästner sich auf ein abstraktes Prinzip von Aufklärung bezieht, orientiert sich Wedding am kollektiven Selbstwußtssein der Arbeiterklasse, das sich konkret in den Formen der Zeit, und das sich politisch ausdrückt. Deswegen erscheinen Kästners Kindergestalten bei aller Aktualität so 'zeitlos', bei Alex Wedding ist ihnen Zeit als Geschichte eingeschrieben." (Karrenbrock, S. 240)
Begann mit siebzehn Jahren in Innsbruck als Warenhausangestellte zu arbeiten. Sie wohnte bei einer politisch aktiven Eisenbahnerfamilie, bei der sie Sorgen, Probleme und Anliegen der Proletarier kennenlernte. Ab 1925 lebte sie in Berlin und arbeitete unter anderem als Stenotypistin, Bankangestellte, Buchhändlerin und freie Journalistin. Unter anderem rezensierte sie in der Zeitung „Berlin am Morgen“. Ihr erstes Kinderbuch erschien schon unter ihrem Pseudonym, das sich aus dem Berliner „Alexanderplatz“ und dem Arbeiterviertel, dem „Roten Wedding“ zusammen setzte. 1932 unternahm sie mit ihrem Mann eine ausgedehnte Reise durch mehrere Sowjetrepubliken. Ein darüber geplantes Kinderbuch kam jedoch nicht mehr zustande. Sie emigrierte 1933 mit ihrem Mann – beide waren aus politischen und aus sogenannten „rassischen“ Gründen sehr gefährdet – nach Prag und arbeitete bei der „Arbeiter-Illustrierte-Zeitung“ (AIZ) mit. Ihr Kinderbuch wurde 1933 verboten. 1935 besuchte sie die Sowjetunion und floh 1939 über Paris in die USA, wo sie in ärmlichen Verhältnissen lebte, sich den Lebensunterhalt mit dem Anfertigen von Schmuck verdiente und mit ihrem Mann im Antifaschistischen Komitee mit der Rettung gefährdeter EmigrantInnen beschäftigt war. 1949 kehrte sie mit ihrem Mann nach Prag zurück und begleitete ihn als Gesandter der CSR nach Washington, Stockholm und Peking und war Korrespondentin der Prager Jugendzeitung „Mlade Fronta“. Ab 1953 lebte sie als freie Schriftstellerin in Ost-Berlin, nachdem sie Verleumdungen und Verdächtigungen durch das Ulbricht-Regime ausgesetzt gewesen war. Nach dem Tode ihres Mannes widmete sie sich seinem Nachlass und rief eine F.C. Weiskopf Stiftung ins Leben. Ab 1968 wird ein Alex-Wedding-Preis der Deutschen Akademie der Künste verliehen. Ihre Bücher „Ede und Unku“ und „Das Eismeer ruft“ wurden in den 80er Jahren verfilmt. Beiträge erschienen unter anderem in „Freies Deutschland“, „Neues Deutschland“ und in den „Mitteilungen der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin“. Gilt als Wegbereiterin der sozialistischen Kinder- und Jugendliteratur der DDR, sie trat stets für die Anerkennung der Kinder- und Jugendliteratur als Bestandteil der Nationalliteratur ein. In ihren Beiträgen, Aufsätzen und Rezensionen versuchte sie die Kinder- und Jugendliteratur durch maßstabsetzende Kritik zu fördern, korrespondierte mit ihren LeserInnen und mit Literaturzirkeln und führte Gespräche zu Kinder- und Jugendbüchern. Außerdem setzte sie sich sehr für ihre KollegInnen und deren kinderliterarischen Werke ein. In ihrem zweiten Kinderbuch „Das Eismeer ruft“ wird das „kollektive Heldentum“ hervorgehoben. „Ede und Unku“ basieren auf reale Personen, das Sintimädchen und fast seine gesamte Familie wurde im Konzentrationslager ermordet.
Wuchs in einem kleinbürgerlichen jüdischen Elternhaus als Jüngste von vier Geschwistern auf. Neffe: George Wyland-Herzfelde, geb. 14.10.1925 in Berlin, später professioneller Eiskunstläufer, lebte später in der Schweiz und veröffentlichte 2003 die autobiografischen Erinnerungen „Glück gehabt. Erinnerungen“, in denen er auch kurz über seine Tante berichtet. Heiratete 1928 den Schriftsteller Franz Carl Weiskopf (1900-1925), der ihr Schreiben zeitlebens unterstützte.
- Quellen
- Ariadne, Österreichische Nationalbibliothek
- Literaturhaus/Exilbibliothek
- Stiftung Archiv der Akademie der Künste
- Deutsche Akademie der Künste
- Blumesberger 2014
- Bolbecher/Kaiser 2000
- Ewers/Seibert 1997
- Altner 2002
- Blumesberger 2007
- Blumesberger 2008
- Blumesberger 2008a
- Blumesberger/Seibert 2007
- Ewers/Seibert 1997
- Karrenbrock 2001
- Klotz 1999
- König 2000
- Mikota 2004
- Oberhuber 1989
- Scheibe 1976
- Seeber 1998
- Seibert 2005
- Weidemann 2008
- Budke/Schulze 1995