Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

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Standschütze Bruggler

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Autor
Bossi-Fedrigotti
Genre
Jugendliteratur
Schlüsselwörter / Tags
Verboten
Anzahl der Seiten
431 S.
Über

Auf den ersten beiden Seiten wird erklärt, was es bedeutet Standschütze zu sein, basierend auf einem Gesetz aus dem frühen 16. Jahrhundert, dass jeder Tiroler zwischen 16 und 50 Jahren die Heimat mit Waffen verteidigen muss. Diese waren unzureichend ausgebildet und ausgerüstet. Die folgende Erzählung aus der Perspektive Anton Brugglers, der mit 16 Jahren einrückte und seine Erlebnisse in ein Tagebuch schrieb, war nur zum Teil erfunden, so der Autor in der kurzen Einleitung. Er wollte zum „deutschen Menschen der Nachkriegszeit“ sprechen. Im Tiroler Dialekt geschrieben beschreibt der Icherzähler detailreich die Manöver und das Sterben seiner Kameraden mit genauen Schilderungen der Verwundungen, alles nur um Tirol2deutsch“ zu erhalten. Ganz am Ende ist ein Brief von Bauer, Lehrer und ehemaliger Leutnant der Tiroler Standschützen an Hella von Teuff vom Mai 1920, eine damals 24 jährige Witwe, blond und blauuäugig und als sehr schön beschrieben, die sich um Bruggler gekümmert hatte und in die er verliebt war. Ihr wurde das Tagebuch ausgehändigt. Aus dem Brief ergahren die Leser, dass Bruggler am 24. Mai 1916 auf der Rotwand gefallen ist. Er, Bauer, wollte nicht, „das Bild eines jungen Menschen vorenthalten, den ein einziges Jahr Krieg zum deutschen manne geformt hat“ (431)

Rezeption

Das Buch wurde später verfilmt und wurde unter anderem vom „Völkischer Beobachter“ noch im Jänner 1945 beworben. Er hat dieses Werk verfasst, da er den falschen Eindruck von der Leistung des österreichischen Heers zurechtrücken wollte, wie er in einem Interview vom 09.04.1981 in einem ORF-Interview meinte. (Penning 2021, 201). Im Roman werden Menschen abgewertet, entmenschlicht, Stereotype weitergetragen und die Landgeschichte und die Bevölkerung Südtirols für ideologische Zwecke instrumentalisiert. (Penning 2021, 211) „Standschütze Bruggler propagierte 1934 den Heldentod junger Männer im Kampf um Großdeutschland für 12-14-jährige Jungen, die zu Beginn des Krieges 1939 schließlich 17 bis 19 Jahre alt sein sollten und um Kriegsdienst herangezogen wurden.“ (Penning 2021, 213) „Die Verbreitung und Wirkung von Standschütze Bruggler hat sich keinesfalls nur auf Süddeutschland und die ‚Ostmark‘ beschränkt. Es galt offensichtlich als ein Jugend-Standardwerk über Krieg, Abenteuer, Bewährung und Verpflichtung.“ (Penning 2021, 214) Erreichte bereits im ersten Jahr eine Auflage von mind. 40000 Exemplaren. „Bossi und sein Text waren in aller Munde“ (Penning 2021, 215) Das Werk wurde im Oktober 1933 als sich in Folge des Juli-Putsches über 4.200 NS-Anhänger im Anhaltelager Wöllersdorf befanden, von Karl Megerle als RMVP-Propagandareferent für Österreich 50 Exemplare Brugglers ohne Umschlag in das Lager Wöllersdorf und andere schmuggelte. (siehe Penning 2021, 215) Eventuell sind 19 Auflagen erschienen (Penning 2021, 216) Begünstigt durch den „Anschluss“, Kriegsbeginn und der Verfilmung. (Penning 2021, 216) „Im 2.500 Texte umfassenden Schrifttums-Verzeichnis der Zentrale der Frontbuchhandlungen wurde Bruggler bereits seit 1941 empfohlen. /Penning 2021, 217) „Die tatsächlich erreichte Stückzahl des Romans dürfte insgesamt 200.000 überschritten haben. (Penning 2021, 217) Das Werk dürfte sich auch in der kleinen privaten Bücherei Hitlers auf dem Obersalzberg befunden haben (Penning 2021, 218) Das Buch wurde auch in Das Buch, ein Schwert des Geistes. Erste Grundliste für den Deutschen Leihbuchhandel aufgenommen. (Penning 2021, 219) Ebenso in Das Buch der Jugend (1934, 1934, 1936, 1937 und 198) und in den Deutsch-Kanon der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten von 1939 und in die von den Städtischen Büchereien in Wien 1944 herausgegebenen Empfehlungsliste Romane und Erzählungen aufgenommen. Unter der Regie von Werner Klingler, der bereits mit Luis Trenker gearbeitete habe, wurde im Wendelsteingebirge in den bayerischen Alpen der Film gedreht, der aufgrund der antiitalienischen Tendenz in Italien nicht gerne gesehen wurde. Im Unterschied zum Text überlebt Bruggler strahlend und kampfbereit. (Penning 2021, 227f) Uraufführung war am 28.8.1936im Ufa-Palast, am Tag der Öffnung er deutsc-österreichischen Grenze. In Österreich wurde er in Innsbruck uraufgeführt, in der Schweiz erschien der erst 1937 unter dem Titel „Toni, der Held der Dolomiten“ (Penning 2021, 230) Die Filmprüfstelle hat „Standschütze Bruggler“ mit den Prädikaten „volksbildend“, „künstlerisch wertvoll§ und staatspolitisch wertvoll“ ausgezeichnet. (ebd.) Letztere Bezeichnung bedeutete eine weitgehende Steuerbefreiung. Er erhielt auch das höchste Prädikat „kulturell wertvoll“ (Penning 2021, 231) „Der Film diente politischen Interessen des NS-Staates nicht nur bei der Grenzöffnung 1936, sondern auch 1938. Er und seine literarische Vorlage waren wie gemacht, um als zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Wiedervereinigungspropaganda zu fungieren und den Einmarsch der Wehrmacht in Österreich breitenwirksam zu legitimieren. (Penning 2021, 233) Ab 1938 wurde der Film auch mithilfe eines Tonwagens der Gaufilmstellen mobil gezeigt. 1944 wurde er erneut in die Kinos gebracht und diente der Mobilisierung aller nicht an der Front kämpfenden Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum Endkampf. Der Film wurde mobil in kleinsten Dörfern noch bis zum 1,. Mai 1945, dem Tag vor der deutschen Kapitulation in Italien gezeigt (Penning 2025, 235) Der Alliierte Kontrollrat verbot 1945 die Aufführung des Films. „Anton Graf Bossi-Fedrrgotti auf, dessen Tiroler Kriegsroman „Standschütze Bruggler" namentlich im Deutschen Reiche einen außerordentlichen Erfolg hatte, feit dem Frühjahr 1938 eine Auflage von 60.000 Exemplaren erlebte und gegenwärtig von der Ufa im Rahmen ihrer Ostermayr-Produktion verfilmt wird. (Innsbrucker Nachrichten, 9.9.1935, 10) Ein Helden- und ein Hohelied der Tiroler Stand schützen wild dieser Film mit Recht genannt. Er gibt in Bildern von unerhörter dramatischer Wucht den Heldenkampf der Standschützen in den Dolomiten, die Hochgebirgs kämpfe im zähen Ringen um die Heimat mit allen ihren Schrecknissen wieder. Ungemein geschickt rekonstruierte Erlebnisse und Einzelheiten aus der Frontverteidigung in Fels und Firn, auf Joch und Paß, inmitten unerbittlicher Naturgewalten bilden die gigantische Umrahmung einer menschlich ergreifenden Handlung, dem Kampf um die Scholle. Umfassende Vorarbeiten waren vonnöten, um dieses großartige Filmwerk, das bei seiner offiziellen Begutachtung das österreichische Prädikat „Kulturell wertvoll- erhalten hat und im Deutschen Reich als „Künstlerisch wertvoll bezeichnet wurde, zu jenem gewaltigen Denkmal für Tirol und seine Verteidiger zu gestalten, als welches es gedacht war. Im Wendelgebirge, zum Teil auch auf der Zugspitze in zweitausend Meter Höhe wurden unter der Regie Ostermaur die Außenaufnahmen gedreht, unter Einsatz aller verfügbaren körperlichen Kräfte. Die männliche Hauptrolle gibt Ludwig Kerscher, die übrigen Gestalten verkörpern Friedrich Ulmer, Eduard Köck, Lola Chlud und Franziska Kinz. (Badener Zeitung 24. Oktober 1936, 4) Urteile: Das Buch d. Jugend 1934/35, S. 26 ; Das Buch d. Jugend 1935/36, S. 17 ; Empfohlen: JSW (Karteiteil), Nr. 1, 1936 ; Das Buch d. Jugend 1936/37, S. 16 ; Das Buch d. Jugend 1937/38, S. 14 ; Das Jugendbuch 1938/39, S. 23 ; Das Buch d. deutschen Jugend 1939/40, S. 19 (Hopster/Josting /Neuhaus 2001, Bd. 1, 122) „Anton Graf Bossi-Fedrrgotti auf, dessen Tiroler Kriegsroman „Standschütze Bruggler" namentlich im Deutschen Reiche einen außer ordentlichen Erfolg hatte, feit dem Frühjahr 1938 eine Auflage von 60.000 Exemplaren erlebte und gegenwärtig von der Ufa im Rahmen ihrer Ostermayr-Produktion verfilmt wird. (Innssbrucker nchrichten, 9.9.1935, 10)

Publication events
Verlag Datum Ort Auflagenhöhe Ausgabe Version / Impression / Printing Sprache Analysierte Ausgabe
Zeitgeschichte Verlag 1934 Berlin 76. bis 85. Tausend 1. Auflage Gedruckt bei Emil Herrmann sen. in Leipzig deu
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Quellen
Penning 2021