Das Chaos und ein junger Mensch
- Autor
- Barta Mikl, Emma
Fraktur, 233 S.
Antisemitismus? Was habe ich damit zu tun? Aber es gab mir doch zu denken. Welcher Mißbrauch mit uns Jungen heute getrieben wird, wie man uns statt Liebe Haß und Mordsucht in die Seele senkt! Was für Menschen zieht man heran! (S. 200) Zitat am inneren Cover: Die Grenzen der Seele wirst du nicht erreichen, und wenn du jeden Weg zu Ende gehst. Heraklit Zitat zu Beginn des ersten Teiles „Sturz ins Reale“: Hätt‘ ich gezaudert zu werden, Bis man mir’s Leben gönnt, Ich wär noch nicht auf Erden, Wie Ihr begreifen könnt, Wenn Ihr seht, wie sie sich gebärden. Goethe Ein etwas weitschweifiger, aber gut lesbarer Roman unserer Jugend und ihrer Probleme. Wer für Entwicklungsromane Neigungen hat, wird nicht zu kurz kommen. (Freie Stimmen, 22.8.1937, S. 10)
Der Roman ist in den 30er Jahren angesiedelt. Im Mittelpunkt steht der Sohn eines reichen Fabrikanten. Der Vater erschießt sich am Tag nach der bestandenen Matura des Jungen, weil ihn die Inflation arm gemacht hat und weil seine oberflächliche Frau ihm die Schuld daran gibt. der Protagonist ist verliebt in die Mutter seines verstorbenen Schulfreundes (erinnert ein wenig an "Die Bubenreise" von Vicki Baum). Als sie sich zurückzieht, wendet er sich dem Mädchen Eva zu, das als Fürsorgerin arbeitet und im krassen Gegensatz zu seiner verschwenderischen Mutter lebt, die noch vor dem Tod des Vaters mit einem Liebhaber lebt. Er traut seiner Liebe zu Eva nicht ganz und wird erst vom Sohn eines Fabrikarbeiters, den er in einem Jugendlager kennenlernt, auf den Weg gebracht. Ganz zum Schluss kehrt Eva zu ihm zurück. Doch vorher ist er mit einer jungen Jüdin zusammen. Ein wichtiges Thema des Buches ist der Antisemitismus, dem sich die Hauptfigur widersetzt. Interessant ist, dass die „Judenfrage“ mehrmals im Text erwähnt wird. Als er und Lilly über Wohltaten sprechen, meint sie: „Jawohl, ich werde vorübergehen, weil mich das Leid der anderen nicht kümmert! Vielleicht war es nicht immer so bei mir, vielleicht hat man mich auch nur zu dem gemacht, auch möglich, daß ich mich selbst verleugne. Gleichviel! Ich, die ich in der menschlichen Gesellschaft nicht als vollwerig gelte, kann es mir ja leisten! […] Es geschah auch zum erstenmal, daß sie auf die Verschiedenheiten ihrer Rassen zu sprechen kam.[…]“ (171f) Sie erzählt von ihrem Bruder, der einen angehenenden Arzt unterstützt hatte und dann statt Dank Verleugnung erfuhr. [Ich gehöre nicht zu jenen Märtyrern, deren es Tausende unter den Juden gibt. Nein. Lieber will ich sterben, als mich demütigen lassen.. Mögen mich die anderen hassen; ich werde sie verachten.!“ (173) „Doch Erwin war damit auch das gesamte Judenproblem vor die Seele gerückt. Er hatte sich bisher nie sonderlich damit befaßt, hatte stets jenes Geschrie, daß sich allerorts erhob, gemieden. Er hatte für das jüdische Volk weder Sympathie noch Abneigung empfunden, seine Einstellung zum Leben war eine allmenschliche.“ (173)
| Verlag | Datum | Ort | Version / Impression / Printing | Analysierte Ausgabe |
|---|---|---|---|---|
| Europäischer Verlag | 1937 | Wien, Leipzig | Druck A. Reisser's Nfg. | |
| Open in fullscreen | ||||