Die verrufene Insel. Eine Erzählung aus dem deutschen Grenzland.
- Autor
- Pirich, Hermann Paul
„Das deutsche Grenzland ist hier ein von Österreichern , die hier als Deutsche apostrophiert werden, und Slowenen gemeinsam bewohntes Gebiet an der Drau. Ethnische Konflikte, kriminelle Vergehen und das Chaos am Ende des Ersten Weltkrieges werden in der Erzählung vermischt.“ Hopster 2005, S. 281
Ausgabe 1943 unter „Ein paar Worte zur Neuauflage: „Dieses Buch ist geschrieben und zum erstenmal erschienen noch vor der großen »Flurbereinigung« in Europa. Es hatte den Zweck, den Binnendeutschen, der fernab von allen Fragen des Grenzland- und Volksdeutschtums aufgewachsen ist, mit diesen Problemen zu beschäftigen und ihn mit ihnen vertraut zu machen. Unmerklich sollte dies geschehen und in völlig undoktrinärer Form, damit möglichst auch jene Kreise erfaßt werden, die von sich selbst aus den Weg zu politischer Literatur noch nicht gefunden haben. Und da es mir als die lohnendste Aufgabe erschien, den Gedanken an unsere Volksgenossen jenseits der Grenzen und an ihren Kampf vor allem in unserer Jugend wachzurufen und lebendig zu erhalten, wählte ich dazu eine Jungengeschichte. Sie spielt in meiner untersteirischen Heimat, die damals noch zu Jugoslawien gehörte. Inzwischen ist mit der Vernichtung dieses künstlichen Vielvölkerstaates meine Heimat wieder eingegliedert worden in das Großdeutsche Reich. Was mich bei dieser frohen Nachricht bewegte, ist in Worten nicht zu schildern. Betrübt war ich einzig darüber, daß ich bei der unmittelbaren Befreiung meiner Heimat nicht selber mitwirken konnte, denn meine Truppe lag damals tief unten im südlichsten Frankreich. Aber ich durfte mich damit trösten, daß ich schon so manches Jahr in Wort und Schrift, in Büchern und Artikeln vielleicht doch auch ein Teil mit dazu beigetragen habe zu der Rückgliederung dieses schönen deutschen Landes, das ja Reichsboden gewesen ist, seit die Geschichte von Deutschen zu berichten weiß. Weit irgendwo im Osten erfahre ich nun, daß sich dem Verlag die Möglichkeit bietet, dieses Buch in Neuauflage und in neuem Gewande wieder herauszubringen. Ob ich irgendwelche Änderungswünsche hätte? Nein, ich habe keinen derartigen Wunsch. Wohl mußte ich damals, als ich diese Geschichte niederschrieb, auf manches Rücksicht nehmen, was heute wegfällt und darum freier und unbedenklicher behandelt werden könnte - das Buch in seinem Grundgehalt aber und in seiner tieferen Bedeutung ist wahr geblieben und echt, nichts hat sich daran geändert, und deshalb soll es mit Punkt und Komma auch genau so wieder erscheinen. Im Juli 1941 Hermann Pirich Karl Schraffl, Rudi Pollantz, Sohn des Bürgermeisters, und Benno Kegelbauer, Sohn des Oberwachmanns sind Schulkollegen und Freunde. Ihnen dagegen steht der slowenenstämmige Milko Kramberger, dessen Vater Schuster ist und der alle Deutschen hasst. Dieser ist bei einem Truppentransport von Serbien an die italienische Front desertiert und ging in den Untergrund. Die „deutschen“ Buben finden bald heraus, dass sich sein Versteck auf einer schwer zugänglichen Insel befindet. Versorgt wird Kramberger, der auch Alkoholiker ist, heimlich durch seinen Sohn, der sich allerdings für seinen Vater schämt und ihm keinen Alkohol bringt. Seine Mutter wird als fanatisch, tapfer, aber auch finster und verschlossen geschildert. Die ärmliche Wohnung, die durch die Polizei gestürmt wird, wird als schmutzig und unordentlich geschildert. Die Mutter Bennos nutzt die Stellung ihres Mannes aus und gibt (angebliche) Nachrichten der Requirierungskommission weiter, was ihr ein gewisses Ansehen verschafft und zugleich das Essen der Familie beträchtlich aufbessert In der Familie von Rudi jedoch wird darauf geachtet, dass der Familie keine Sonderstellung zukommt, was dazu führt, dass er zu wenig zu essen bekommt. Anhand von Milko und den anderen Buben wird der Hass zwischen Deutschen und Slowenen eindrücklich geschildert. Auf abenteuerliche Weise stahl Benno mit Hilfe seiner Freunde Waffen und ruderte auf die Insel, wo er auf Milkos Vater traf, der ihn an Stärke überlegen, fesselte. Gleichzeit strandeten zwei serbische Deserteure an der Insel. Die Schulkollegen die inzwischen Benno auf der Insel suchen kommen mit den Deserteuren in Streit, ein Serbe und Rudi sterben. Das Fesseln hatte Karl übrigens vom Lesen von Karl May gelernt. (127) Zwei Brüder Karl Schraffls fielen inzwischen an der Piava. Am Ende kommt auch Milko heimlich zu Rudis Begräbnis. Der Krieg geht zu Ende und die Buben meinen darüber: „Den Krieg haben wir verloren. Wie kann das auch anders möglich sein. Wer bei uns in Österreich hat ihn jemals ernstlich gewinnen wollen? Außer uns Deutschen. Wer? Niemand! Ja, sie warten alle sogar nur darauf, daß wir ihn verlieren. Denn dann können sie in aller Gemütsruhe Österreich-Ungarn in tausend Fetzen zerreißen.[…]“ (146f) „Wer nun auf der Straße deutsch sprach, wurde angepöbelt“ (160) (160) Deutsche Geschäfte geschlossen, deutsche Schilder mussten abgeändert werden. Insgesamt war das Buch sicher eine gute Vorbereitung um bei den Lesenden Fremdenhass zu schüren.
| Verlag | Datum | Ort | Ausgabe | Beschreibung | Analysierte Ausgabe |
|---|---|---|---|---|---|
| Verlag Die Heimbücherei | 1943 | Berlin | 1939 | 185 S. | ✓ |
| Open in fullscreen | |||||
- Quellen
- Hopster/Josting/Neuhaus 2005