Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

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Thomas, Adrienne

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Pseudonym
Hertha Strauch
Deutsch
Lesser
Erika Theobald
Vorname
Adrienne
Nachname
Thomas
Beruf
Schriftstellerin
Geburtsort
St. Avold/Moselle
Geburtsdatum
1897-06-24
Sterbeort
Wien
Sterbedatum
1980-11-07
Bedeutung

Ab 1948 war sie Mitglied und Vorstandsmitglied des österreichischen PEN-Clubs, 1948-1950 Mitglied der SPÖ. Sie erhielt am 18. April 1969 die große Ehrenmedaille in Silber und die Ordensschnalle der Bundeshauptstadt Wien und am 25. Juni 1973 den Professorentitel vom österreichischen Unterrichtsministerium verliehen. Gilt als eine bekannte Autorin der Weimarer Republik. Über ihr Buch „Viktoria“ hieß es am 27.11.1937 in „Das Kleine Blatt“: „Fortsetzungen erfolgreicher Bücher erreichen fast niemals die Höhe des Anfangs. Leider macht diese neue Erzählung von jungen Menschen von dieser Regel keine Ausnahme: sie ist viel schwächer als „Andrea“. Nicht nur der schleppende Beginn beweist dies – es dauert hundertzwanzig Seiten, bis der Roman richtig anfängt – auch die restlichen zweihundert Seiten sind an Glanz und Farbe der Erfindung ärmer, das dramatische Geschehen ist dürftiger, dem Kernproblem: Viktoria wird Filmdiva fehlt fast die Spannung, denn man spürt vom Anfang, ihr Geschick formt ein guter Wille, jener der Autorin“. „Die Katrin wird Soldat“ größter Bucherfolg einer Frau in Deutschland, in 15 Sprachen übersetzt, zählt neben Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ zu den wichtigsten Antikriegsromanen. „Die Katrin wird Soldat“ wurde am 10. Mai 1933 Opfer der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen. Über ihren Antikriegsroman „Die Katrin wird Soldat“ schrieb sie: „Ich hatte in Deutschland den größten Bucherfolg, den eine Frau dort jemals hatte. Trotzdem war es der größte Mißerfolg, den ein Buch dieser Art nur haben kann.“ (zitiert nach Gürtler, Schmid-Bortenschlager, S. 265) „Vielleicht konnte man zu Kindern noch reden. Mit den Erwachsenen hatte ich keine gemeinsame Sprache mehr“ (zitiert nach Gürtler, Schmid-Bortenschlager, S. 265) Über ihre Exilzeit in Amerika meinte sie: „Torberg hat einmal gesagt, es waren 12 verlorene Jahre. Für mich waren es 12 gewonnene Jahre. Ich war überall gern. Ich hab’ mich überall zurechtgefunden. Ich hab’ das Beste daraus gemacht, ich hab’ mich nicht unterkriegen lassen.“ (Kreis, S. 79)

Leben

Während des ersten Weltkrieges, den sie in der Großgarnisonstadt Metz erlebte, diente sie als Rot-Kreuz Schwester, zunächst in Metz und später in Berlin-Mariendorf. Später entstand durch diese Erfahrungen, die sie in einem später veröffentlichten Tagebuch festhielt, der sehr erfolgreiche Antikriegs- und Liebesroman „Die Katrin wird Soldat“. Neben des Kriegsdienstes nahm sie Gesangsstunden und sang in einem Mädchenchor. Kurzzeitig war sie auch als Erzieherin in einer Volksschule tätig. 1918 begann sie ein Gesangs- und Schauspielstudium an einem Privatkonservatorium in Frankfurt am Main. Sie lebte später in Berlin und in Lugano. Ab 1925 schrieb sie literarische Beiträge u.a. für die „Vossische Zeitung“ und für das „Neue Wiener Tagblatt“. 1930 wurde sie schriftstellerisch tätig. 1932 ging sie in die Schweiz, 1933 nach Frankreich und 1934 nach Österreich. 1937 war sie auf Vortragstournee in Palästina. Wieder zurück in Wien, erhielt sie im März 1938 den Befehl, sich im Gestapo-Hauptquartier zu melden. Sie entschloß sich jedoch zu fliehen und emigrierte am 5. April mit Hilfe französischer Freunde und einem falschen Paß auf Umwegen wieder nach Frankreich. Ihre Flucht brachte sie in die Tschechoslowakei, nach Ungarn, Jugoslawien und Italien bis nach Straßburg. Ihre Manuskripte mussten allerdings zurückbleiben. Am 15. Mai 1940 wurde sie im Frauenlager Gurs interniert. Mit gefälschten Entlassungspapieren konnte sie jedoch entkommen. Sie lebte in einem kleinen Dorf in den Pyrenäen, wo sie sich bei den Bauern durch Wäschewaschen und Handarbeiten Geld verdiente. Mit Hilfe des Emergency Rescue Committee gelang ihr die Flucht in die USA. Am 13. September 1940 kam sie in New York an. Sie lebte dort – zunächst im Park Plaza Hotel, das sehr viele europäische EmigrantInnen beherbergte – als freie Autorin und publizierte ihre Werke in Exilverlagen. Als Mitglied der Free World Association wurde sie 1942 Sekretärin der europäischen Niederlassung und Leiterin der deutschen und österreichischen Abteilung. Während der Nazizeit waren ihre Werke verboten, sie zählte zu den „verbrannten“ Autoren. Im Exil schrieb sie Beiträge für das „Neue Wiener Tagblatt“, für die „Basler Nachrichten“, für die „Neue Jüdische Zeitung“ und für das „Free World Magazine“. Dort leitete sie den deutschen und österreichischen Sektor. Thomas Adrienne hatte sich in Amerika gut eingelebt, trotzdem kehrte sie 1947, auf Drängen von Julius Deutsch, nach Österreich zurück. Ab 1948 schrieb sie für die Wiener Tageszeitung „Neues Österreich“ eine Artikelserie. Außerdem verfasste sie Romane, Novellen und Hörspiele. In den fünfziger Jahren ging sie auf mehrere Vortragsreisen und las vor allem vor Mitgliedern des PEN-Clubs aus ihren Werken. Später beschäftigte sie sich nur noch mit Überarbeitungen und Korrekturen ihrer Werke und war hauptsächlich ihrem Mann Julius Deutsch bei der Niederschrift seiner Memoiren behilflich. Nebenbei hielt sie weiterhin Vorträge, so zum Beispiel unter dem Titel „Israel vor 30 Jahren“ 1967 im Palais Palffy. Das Haus des Ehepaares in der Himmelstraße wurde zu einer Art gesellschaftlicher Salon. Nach dem Tod von Julius Deutsch bemühte sie sich vor allem sein Andenken zu bewahren und wurde seine Nachlassverwalterin. Später ging sie wieder auf Reisen, unter anderem nach Israel. Zuletzt lebte sie eher zurückgezogen im Wiener Grinzing. Adrienne Thomas, die 1951 zum evangelischen Glauben konvertiert war, war während ihres ganzen Lebens eine engagierte Pazifistin und trat für Freiheit und Menschlichkeit ein.

Familie

Stammt aus einer jüdischen wohlhabenden Familie. Ihre Mutter war Johanna Bernstein (1862-1944); ihr Vater Julius Strauch, Betreibers eines Wäsche- und Kurzwarengeschäftes mit der Bezeichnung „Filiale Knopf“ (1867-1927); 1 Schwester, Alice (*1895), deportiert, starb in einem KZ.

Quellen
Blumesberger 2014
Bolbecher/Kaiser 2000
Fuss-Philipps 2001
Weidemann 2008
Budke/Schulze 1995