Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

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Haarer, Johanna

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Persistent Identifier
https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/elternarbeit/elternarbeit-grundsaetzliches-ueberblicksartikel/bildungs-und-erziehungspartnerschaft-revisited/
Pseudonym
geb. Barsch
Beruf
Arzt*in
Geburtsort
Tetschen
Geburtsdatum
03.10.1900
Sterbeort
München
Sterbedatum
30.04.1988
Leben

Johanna Haarer arbeitete zunächst im elterlichen Papierwarengeschäft und entschloss sich gegen den Wunsch der Eltern, Medizin zu studieren. Sie war Volontärin am Münchner Krankenhaus, danach Fachärztin für Lungenkrankheiten im Sanatorium Harlaching. Nach ihrer zweiten Heirat und der Geburt ihrer Kinder gab sie den Beruf auf. 1936 wurde sie von der NSDAP zur ehrenamtlichen Mitarbeit herangezogen und wurde Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen in der NS-Frauenschaft. Außerdem engagierte sie sich im „Nationalsozialistischen Volksverein“, im „Hilfswerk Mutter und Kind“ sowie in der „Münchner Mütterschule“. In Vorträgen trat sie vehement gegen den vermeintlichen Verfall der Mutterschaft und der Familie ein. Nach der Geburt ihrer ersten Zwillinge beschäftigte sie sich mit der Säuglingspflege und schrieb zahlreiche Zeitungsartikel, ohne jemals eine betreffende Ausbildung absolviert zu haben. Der Verlag Lehmann drängte sie, das Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ zu verfassen. Es diente in den Kursen der Reichsmütterschulungen der NS-Frauenschaft als Lehrmittelgrundlage. Die in diesem Buch vorgestellten Erziehungsvorstellungen sind eng an Hitlers „Mein Kampf“ angelehnt. Sie warnt darin vor zu vielen zärtlichen Gefühlen den Kindern gegenüber, vor zu wenig Härte in der Erziehung. Das Buch wurde unter dem Titel „Die Mutter und ihr erstes Kind“ zuletzt 1987 herausgegeben. Der Fortsetzungsband trug den Titel „Unsere kleinen Kinder“, ein Buch über Ernährung, Kleidung und medizinische Versorgung der Kinder. Von der Frauenschaft wurde sie auch dazu gedrängt, das „Kinderbuch“ „Mutter, erzähl von Adolf Hitler“ zu schreiben. 1945 wurde sie verhaftet. Als ihr Mann von ihrem Schicksal erfuhr, nahm er sich das Leben. Johanna Haarer verbrachte ein Jahr in drei verschiedenen amerikanischen Internierungslagern, wo sie als Ärztin tätig war und laut ihrer Tochter gezwungen wurde, falsche Diagnosen zu erstellen, um sich ihr Essen zu verdienen. Nach der Entlassung versuchte Haarer wieder als Ärztin Fuß zu fassen, erhielt jedoch keine Erlaubnis, eine Praxis zu eröffnen. Schließlich wechselte sie in den öffentlichen Dienst und fuhr bis zu ihrer Pensionierung 1965 von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt. Spez. Wirkungsbereich: Mit „Mutter, erzähl von Adolf Hitler“ hat Dr. Haarer ein typisches Kinderbuch des „Dritten Reiches“ geschaffen. Die Feindbilder, allen voran Juden und Kommunisten, werden durchwegs als böse und schlecht dargestellt, unterstrichen von den dazugehörenden Karikaturen, während die Deutschen, und hier natürlich nur die „Arier“, ohne Makel gezeichnet werden. Ziel des Buches ist, das wird besonders am Schluss deutlich, die zuhörenden oder selbstlesenden Kinder zu guten Mitgliedern der HJ oder des BDM zu machen. Das Buch ist in Märchenform geschrieben. Hauptfigur ist Adolf Hitler als Retter der Deutschen und somit als Retter der Welt. Das Vorlesebuch war Pflichtlektüre in vielen Kindergärten, obwohl es eigentlich erst ab acht Jahren empfohlen war. Erst 1985 wurde die Kontinuität der Haarer-Bücher öffentlich infrage gestellt.

Familie

Vater: Alois Barsch; Mutter: Anna Barsch. Ihr Bruder starb mit zehn Jahren.

Quellen
Telefongespräch
Blumesberger 2014
Berger 1995