Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

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Verlag Franz Eher

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Name
Verlag Franz Eher
Beschreibung

„Hinter der unscheinbaren Firmenbezeichnung Franz Eher Nachfolger GmbH verbarg sich in den Jahren von 1933 bis 1945 der größte Verlagskonzern des Deutschen Reiches“ (Tavernaro 2004, 7) Es handelte sich um den Zentralverein der NSDAP, in dem unter anderem der Völkische Beobachter und Hitlers Mein Kampf erschienen. Dieser Parteiverlag der NSDAP war die „zentrale Instanz zur Vermittlung der nationalsozialistischen Propaganda“ (Tavernaro 2004, 7) Die lückenlose Aufarbeitung der Geschichte des Verlags wird wohl nie möglich sein, da es nur „Rumpfbestände an Quellen“ gibt, so Tavernaro, der die Handelsgerichtsakten zur Firma Franz Eher Nachfolger GmbH in Berlin, München und Wien herangezogen hatte. (Tavernaro 2004, 7) Die Geschichte des Verlags beginnt im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts. Der Hauptsitz des Verlags war stets in München, es existierten jedoch Zweigniederlassungen ab 1933 in Berlin und ab 1938 auch in Wien. Der Verlag war eng mit den Gleichschaltungs- und Lenkungsinstitionen des NS-Regimes, vor allem der Reichspressekammer verbunden. Der Namensgeber des Verlags Franz Xaver (Josef) Eher wurde am 28. April 1851 in München geboren, absolvierte seine Ausbildung zum Journalisten bei der *Neuen Freien Presse* in Wien. Er lebte ab 1897 in München, war als Kaufmann Privatier und Verleger tätig, schrieb für den Münchener Beobachter. (Tavernaro 2004, 21). Ab 1.1.1899 war er Redakteur des *Münchener Beobachters*. Der Verlag dieser Zeitschrift war ab 4. März 1900 Anton Kaiser und Franz Josef Eher. (Tavernaro 2004, 21) Ein Monat später war Franz Josef Eher alleiniger Verlagseigentümer, ab 6. Dezember war der Verlag Franz Eher im Münchner Handelsregister eingetragen. Der Münchener Beobachter hatte seitdem stark antisemitische Züge. Eher starb am 22. Juni 1918 (Tavernaro 2004, 22) Danach gelangte die Zeitung in die Hände der NSDAP. Die Nationalsozialisten vernetzten sich damit. Die Witwe Ehers, Friederike Eher leitete nunmehr den Verlag. Am 17.Dezember 1920 ging der Verlag in den Besitz der NSDAP über, wobei die Umstände der Übernahme „verworren“ waren. (Tavernbaro 2004, 30) 1923 erschien der *Völkische Beobachter* erstmals als Tageszeitung. Im selben Jahr trat der Eher-Verlag auch als Buchverlag auf. Mit dem Verbot der NSDAP Am 9. November 1923 wurde auch der Eher Verlag verboten. Als Ersatz für den verbotenen *Völkischen Beobachter* erschien 1924/25 Der Nationalsozialist. Philipp Bouhler war Chefredakteur. Als die NSDAP Im Februar 1925 wieder zugelassen wurde, konnte auch der *Völkische Beobachter* wieder erscheinen. Nach 1925 trat der Eher Verlag verstärkt als Buchverlag in die Öffentlichkeit, wobei Hitlers *Mein Kampf* das erfolgreichste Buch war. Sehr wichtig waren auch Kalender und Broschüren, die von NSDAP-Funktionären herausgegeben wurden. Das Hauptprodukt blieb jedoch der Völkische Beobachter, der ab 1927 in einer Bayernausgabe und einer Reichsausgabe erschien. Ab 1931 existierte eine Münchner, Süddeutsche, eine Berliner und eine Bayernausgabe. Eine weitere Zeitschrift in diesem Verlag war der *Illustrierte Beobachter*, die Nationalsozialistischen Monatshefte, das „satirische Blatt“ *Die Brennessel*, ab 1931 erschien Unser Wille und Weg, eine Propagandazeitschrift für die Joseph Goebbels verantwortlich war. Ab 1928 *Der SA. –Mann*, ab 1931 die *Nationalsozialistische Korrespondenz*. 1933 wurde die Franz Eher Nachfolger Gesellschaft in Berlin eingetragen. 1932 waren bereits 49 Tageszeitungen und 45 Wochen oder Halbwochenblätter, ca. 40 Zeitschriften und 14 Grenz- und Auslandsdeutsche Zeitungen (in Österreich und der Tschechoslowakischen Republik als der NSDAP gehörend, bzw. ihr nahe stehend zugeordnet. Das Schriftleitergesetz vom 4., Oktober 1933 hatte zur Folge, dass die Arbeit der Journalisten eine öffentliche Aufgabe wurde Verleger hatten keine inhaltlichen Aufgaben mehr. Am 22. September trat das Reichskulturkammergesetz in Kraft, Präsident wurde Goebbels. Der Eher Verlag war zwar privatrechtlich organisiert, hatte aber den indirekten Charakter eines staatlichen Verlages. (Tavernaro 2004, 51) Ab dem März 1938 gab es eine Reihe von ‚wilden‘ Übernahmen und Arisierungen speziell im Buchhandel und Buchverlagswesen Österreichs. […] Konfusion dürfte zunächst an der Tagesordnung gestanden haben. (Tavernaro 2004, 81) Kommissarische Leiter wurden durch den Landeskulturleiter der NSDAP Österreich Hermann Stuppäck, entsandt, unter anderen wurde der akademische Maler und Illustrator Karl Alexander Wilke zum kommissarischen Leiter des Österreichischen Bundesverlages. (ebd. ) Verleger und Buchhändler, die vom deutschen Markt abhängig waren, kooperierten nicht ungerne. Am 24.Mai 1938 traten in Österreich die „Nürnberger Rassengesetze“ in Kraft, Jüd*innen mussten ihr Vermögen bekanntgeben. Am 11. Juni wurde das Reichskulturkammergesetz eingeführt. „Das Korsett des NS-Regimes war damit über Journalisten und Verleger geschnürt.“ (Tavernaro 2004, 84) Die Wiener Zweigniederlassung der Franz Eher Nachfolger war der 1895 geborene Friedrich Ernst Walter Schaller. (ebd.) Die Franz Eher Nachfolge GmbH wurde aufgrund des Gesetzes Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates für Deutschland vom 29. Oktober 1945 als Organisation der NSDAP verboten. (Tavernaro 2004, 93) Ernst Fischer, Staatssekretär für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten bestellte den Redakteur Karl Johann Heinz am 14. Juni 1946 als öffentlichen Verwalter für das Vermögen der Franz Eher Nachfolger GmbH in Österreich. (Tavernaro 2004, 97) 1938 entstand eine Zweigniederlassung in Wien, Geschäftsstellen gab es in in Brünn, Graz, Klagenfurt, Linz, Marburg, Wiener Neustadt und Znaim.

Quellen
Tavernaro 2004