Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

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Bohatta-Morpurgo

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Vorname
Ida
Nachname
Bohatta-Morpurgo
Alternate name
Ida Karoline; Verh. Morpurgo
Beruf
Schriftsteller*in
Illustrator*in
Geburtsort
Wien
Geburtsdatum
15.4.1919
Sterbedatum
1.11.1992
Bedeutung

2008 wurde in Wien eine Verkehrsfläche nach ihr benannt. Ihr künstlerischer Nachlass befindet sich in der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) in München.

Leben

Ihr erstes Märchenbuch zeichnete sie für Otto von Habsburg, den sie durch ihren Vater kennengelernt hatte. Mehrere Illustrationsaufträge folgten. Liane Müller entdeckte sie als Künstlerin und war ihre Verlegerin, als sie 1919 begann, Bilderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Um immer wieder darauf zurückgreifen zu können, legte sie sich eine Systematik von Pflanzen- und Tierformen an, die sie in ihren Büchern immer wieder verwendete. Auch Ernst Kreidolfs Blumenbücher, die sie 1922 kennenlernte, beeinflussten ihre Arbeit wesentlich. Nachdem sie 1927 vom Wiener Deutschen Verlag für Jugend & Volk zum Münchner Verlag Josef Müller gewechselt war, änderte sich auch ihr Zeichenstil. Statt Jugendstilelemente verwendete sie meist nur noch naive Zeichnungen. Durch die schlechte finanzielle Situation in den 1920er Jahren gelang es ihr nur selten, Illustrationsaufträge zu bekommen. Ihren Lebensunterhalt sicherte sie sich in dieser Zeit mit dem Entwerfen und Anfertigen von Puppen mit asiatischen und afrikanischen Gesichtszügen. Ab 1927 zeichnete sie Fleißbildserien für den Verlag Josef Müller. Zu dieser Zeit entwarf sie auch Bilder religiösen Inhalts. Bohatta wollte aus diesen Büchern schon bald Kinderbücher herstellen und konnte den Verlag dazu überreden. Am 1.7.1938 wurde sie wegen ihrer enormen Produktion in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen, obwohl sie als überzeugte Katholikin mit monarchistischer Gesinnung bekannt war. Ihre Bilderbücher schienen auch in einem empfehlenden Auswahlverzeichnis von 1940 auf. In einigen Bildern Bohattas glaubten die Machthaber „Propaganda gegen den Rassengedanken“ zu erkennen. Sie selbst legte mehr Wert auf ihre Gedichte als auf die dazugehörigen Zeichnungen, mit denen sie eigentlich bekannt geworden war. 1945 konnte sie ihr Werk erfolgreich weiterführen. Die Kinderbücher Ida Bohattas wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr gelang es sehr erfolgreich, alles Aktuelle zu vermeiden und zwischen Harmlosigkeit und künstlerischem Anspruch hin und her zu pendeln. Gerade in der Zeit des Nationalsozialismus versuchte Bohatta den Kindern eine bessere Welt zum Träumen anzubieten. Eine tiefe Lebensfreude sollte in den Kindern genährt und bewahrt werden. In ihren Werken ist die Welt klar geordnet, alles hat seinen Platz, es ist eine Welt, in der die göttlichen Gesetze walten. Am 23.8.1938 konnte man im „Westdeutschen Beobachter“ lesen, dass ihre Fleißbildchen angeblich „in den Dienst einer zwar naiv anmutenden, aber trotzdem abgefeimt ausgeklügelten Propaganda gegen den Rassengedanken“ gestellt wurden. „Zweifellos erhielt Ida Bohatta ihre ersten künstlerischen Anregungen aus dem Stil der Wiener Secession, jedoch negierte sie symbolistische Motive. Die floralen Elemente, die überlängten, grazilen Körper, der enge Bezug zur Natur und nicht zuletzt auch das Kindlich-Naive, der Traum einer Idylle, veranschaulichten dies.“ (Martischnig, Michael: Die Illustratoren der Wiener Klassenlektüre der Ersten Republik. In: Fadrus, Viktor; Martischnig, Michael (Hg.): Viktor Fadrus – Vater und Sohn – im Dienste der österreichischen Reformpädagogik im 20. Jahrhundert. Graz: Leykam 2003, S. 270)

Familie

Vater: Hanns Bohatta (1864–1947), Altphilologe und ab 1890 an der Wiener Universitätsbibliothek tätig, ab 1914 Hofrat und Oberbibliothekar. Er gab mehrere noch heute verwendete Nachschlagewerke heraus. Mutter: Adelheid Anna Bohatta, geb. Krippel. Schwester: Bertl, drei Jahre älter. Ursprünglich hieß die Familie Bohata. Durch ihren Vater war Ida Bohatta mit dem deutschsprachigen Bildungsbürgertum verbunden, er schenkte ihr schon früh Bücher von Ernst Kreidolf, die später Einfluss auf ihr Werk nahmen. Außerdem hatte sie starke Beziehungen zur katholischen Kirche.

Quellen
Blumesberger 2014