Datenbank Kinder- und Jugendliteraturforschung

Österreichische Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945

<< Database

Vieser, Dolores

placeholder image
Alternate name
Eigtl. Wilhelmine Aichbichler
geb. Wieser
Dolores Maria Valdez
Geburtsort
Hüttenberg
Geburtsdatum
1904-09-18
Sterbeort
Klagenfurt
Sterbedatum
2002-12-24
Bedeutung

1930 Adalbert-Stifter-Preis für Literatur des Landes Oberösterreich ; 1933 Marie-von-Ebner-Eschenbach–Preis ; 1955 andel- Mazzetti-Preis ; 1956 Adalbert-Stifter-Preis ; 1975 Kulturpreis des Landes Kärnten für Literatur (als erste Frau) ; 1984 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Mitglied des Österreichischen Schriftstellerverbandes und der IG Autoren

Leben

Nach dem Tode des Vaters verarmte die Familie. Zunächst war sie als Kontoristin tätig, dann – weil sie selbst lungenkrank war – wegen des besseren Klimas Köchin in einem konfessionellen Heim in Tirol. Sie schrieb nebenbei mit 21 Jahren in der „Dichterklause“ zu Hall in Tirol „Das Singerlein“, die Geschichte eines verwaisten Knaben, der im Sängerkonvikt zu St. Veit heranwächst. Das Manuskript wurde in letzter Sekunde von der Sekretärin aus dem Ofen gerettet, da Vieser nahegelegt worden war, mit dem Schreiben aufzuhören, da sie doch kaum Schulbildung besaß. Dieses Buch wurde später in katholischen Kreisen zum Bestseller. Binnen kürzester Zeit wurden 50000 Exemplare des Buches verkauft. Ab diesem Zeitpunkt war sie als freie Schriftstellerin tätig, legte sich den Namen Dolores Vieser zu und zog nach Klagenfurt. 1933 lernte sie ihren späteren Mann Otto Aichbichler kennen, mit dem sie drei Kinder bekam. Die Tocher Ute de Vargas wurde in Italien eine gefeierte Operndiva. Die Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer wurde ihr verwehrt. Mit dem Buch Hemma von Gurk wollte sie den Prozess der Heiligsprechung beschleunigen, was 1936 auch gelang. Kurz nach Erscheinen des Werkes, wurde Österreich von den NS-Truppen besetzt und sie erhielt Schreibverbot. Ihre Bücher wurden während der NS-Zeit aus dem Handel genommen. Als sie in die Partei aufgenommen werden sollte, was ihr den Weg geebnet hätte, lehnte sie ab. Sie widmete sich den Kindern und der Mühle ihres Mannes. Erst nach dem Krieg begann sie wieder zu schreiben. Da sie von ihrem Mann keine Unterstützung erhielt und ihre Literatur nicht mehr in die Zeit passte, konnte sie an ihren Erfolg nicht mehr anschließen. Ihre Romane sind in der Tradition der katholischen Literatur und Heimatkunst verfasst.

Familie

Vater : Johann Wieser, Juwelier, Uhrmacher- und Glasermeister. Er starb 1914. Die Mutter Maria Dolores Wilhelmine Wieser, die sich bei ihrem Mann mit Tbc angesteckt hatte, litt nach seinem Tod an schwerer Depression. Das Leben von Dolores Vieser war bestimmt durch den frühen Tod der Eltern, der sie mit 16 Jahren zur Vollwaise machte. Sie hatte zwei Brüder.

Quellen
Datenbank der Forschungsstelle „Österreichische Literatur im Nationalsozialismus“
Blumesberger 2014
Ottawa 2013